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PPL-A - Kai lernt Fliegen - der Blog

13.05.2011 - Praktische Prüfung PPL-A nach JAR-FCL

Details

Heute ist Freitag der 13.

Ich sitze im Büro und weiß, dass ich ggf. morgen, am Samstag, 14.5.2011, meine praktische Prüfung ablegen werde…vorausgesetzt das Wetter spielt mit.
Mein Fluglehrer steht bereits im telefonischen Kontakt mit meinem Prüfer und ich soll heute meine zu planende Prüfungsroute erfahren.

Gegen 10 Uhr ruft mein Fluglehrer an und teilt mir mit, dass um 16 Uhr meine Prüfung sei. „So spät? Ich dachte, die Prüfung ist Samstag gegen Mittag?“
„Nein, heute 16 Uhr…“

Jetzt wird’s etwas hektisch. Denn ich fliege vorher noch mit meinem Fluglehrer einige Kurse und Übungen und soll anschließend alleine mit Auftrag meinen Prüfer in Meinerzhagen abholen.
Ach ja – meine Flugstrecke für die Prüfung ist:

Meinerzhagen (EDKZ) – Siegerland Airport (EDGS) – Schameder (EDGQ) und zurück nach Meinerzhagen.

Ich begebe mich also an meine Flugplanung, berechne Kurse, Sprit und das Gewicht, lass den Stift auf der Karte kreisen, suche mir Auffanglinien und bekomme jetzt schon schwitzende Hände.

Gegen 13 Uhr bin ich am Platz und es geht auch irgendwie ganz schnell. Rein in den Flieger, Tanken und ab in die Luft für Airwork und Navigation.
(Ich erspare Euch jetzt mal die Einzelheiten und komme direkt zum Prüfungsflug).
Ich erhalte meine Flugaufträge und los geht es für mich zuerst über das VOR BAM nach Meinerzhagen. Der Anfang vom Sauerland – alles Grün, Berge und für mich unbekanntes Terrain. Ich hangele mich an einigen Talsperren entlang und komme zur Stadt Kirspe. Irgendwo links auf 11 Uhr Position muss der Platz liegen. Ich sehe ihn aber nicht. Anhand Google Maps und anderen Bildern weiß ich, dass der Platz versteckt auf einem Hügel mitten in einer Waldschneise liegt. Nur der Turm/Tower guckt ein wenig über die Bäume hinweg.
Nach dem üblichen Funk fliege ich in die Platzrunde und habe die Bahn vor mir liegen. Die Schwelle der Pistenrichtung 25 ist weit nach hinten versetzt. Ich beginne meinen Anflug und lande genau auf der Schwelle. (Dies hat mein Prüfer, der sich bereits meinen Anflug angeschaut hat, später auch lobend erwähnt).

Wir stellen uns einander vor und dann berichtet er mir, was er alles in der Prüfung sehen möchte. Wir gehen das Prüfungsprotokoll durch und es wird alles abgefragt, was dort notiert ist. Anschließend lässt er sich meine Flugplanung, Gewichts- und Spritberechnung zeigen und wir gehen zum Flieger. Dort werden mir noch weitere, technische Fragen zum Flugzeug gestellt.

Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich gehe meinen Check durch und sehe schon im Augenwinkel, dass sich der Prüfer Notizen macht. Oh weh, warum schreibt er denn jetzt schon?

Der Flug von Meinerzhagen zum Siegerland Airport geht nur nach Sicht, ohne Hilfsmittel außer meinen Augen und der Karte. Warum ist er denn so still?
„Flieg mal ruhig, wir machen hier keine Übung.“ Ok, also brabbel ich laut vor mich hin, was ich sehe, wie ich was navigiere und merke, dass ich etwas zu weit von meiner Auffanglinie weggekommen bin. Der Prüfer gibt mir ein Tipp: „Ich glaube da drüben ist Siegen.“
Ich bedanke mich und drehe mehr nach links ein, um meinen Anflug stabil zu halten. Siegerland hat eine Besonderheit: Um den Airport befindet sich der Luftraum Foxtrott (HX), welcher stets aktiv wird, wenn IFR Verkehr an- oder abfliegt. Weiterhin ist genau in der Platzrunde ein Sperrgebiet (ED-R) eingezeichnet. Frühzeitig melde ich mich über Funk und darf in die Platzrunde einfliegen. Ich frage noch nach, ob das Sperrgebiet aktiv ist, was verneint wird. Puh, das macht das Ganze schon einfacher.

Die erste Landung erfolgt ohne Klappen und nach dem Aufsetzen geht es sofort wieder in die Luft. Die zweite ist eine Full-Stop-Landung. Parken, Landgebühren bezahlen und kurz durch schnaufen. Von hier aus geht es Richtung Schameder mit Steuerkurs 025 Grad.

Wir starten von der Piste 13 und im Steigflug (nach Ankündigung) zieht mir der Prüfer das Gas raus. Meine Reaktion: Nachdrücken, um Fahrt aufzuholen... korrekte Vorgehensweise und weiter nach Kurs.

„So, wir simulieren jetzt, dass auf unserem Kurs das sich das Wetter verschlechtert und eine Sicht von unter 6 km herrscht. Der Flug nach Westen zum Ausweichflugplatz wäre möglich. Bitte schön…“

Ich gucke auf die Karte, weiß welchen Kurs ich jetzt gerade fliege. Mein Ausweichflugplatz liegt im Westen bei ca. 260/270 Grad. Ich kurve ein und berichte, dass ich zur Kontrolle das Radial vom VOR COLA in der Nähe bzw. auf dem Flugplatz eindrehe, wo ich hinmöchte. Wenn ich dann meinen Kurs fliege und das Radial „läuft ein“, weiß ich, dass ich richtig bin.

„Du brauchst nicht stets alles zu erzählen. Ich sehe ja, was Du machst, handel einfach.“
Ok, ich hatte damit bezweckt, dass mein Prüfer mich versteht und nachvollziehen kann, was ich tue und mitbekommt, dass ich auch weiß, was ich da tue. ;-)

Der Ausweichflugplatz liegt direkt an der Autobahn. Mein Radial läuft ein, ich erreiche die Autobahn und rechts befindet sich der Grasplatz.
Wieder eine Notiz „Platz gefunden“.
Hier vollziehen wir noch eine Ziellande- mit einer Durchstartübung und begeben uns wieder in die Luft.
Die nächsten Aufgaben sind: Langsamflug mit und ohne Klappen bis zum Stall, Power Off-Stall, Inbound VOR, ein Radial intercepten und einen Vollkreis links mit 30 Grad und einen Vollkreis rechts mit 45 Grad Querneigung.  Zum Abschluss erfolgt noch die Navigation unter Instrumentenwetterbedingungen. Also setze ich die IFR-Brille auf, halte Höhe und meinen Kurs und befolge die angesagten Richtungsänderungen.

Jetzt geht es wieder zurück nach Meinerzhagen und ich reihe mich in die Platzrunde ein. Auch hier setze ich wieder genau auf die Schwelle auf und rolle anschließend zurück zum Vorfeld.

„Rollt ihr immer mit Vergaservorwärmung und ausgefahrenen Klappen zurück?“

„Ups… natürlich nicht.“

Auf dem Vorfeld übt er dann die Manöverkritik, die sich aber in Grenzen hält. Die positiven Anmerkungen überwiegen, daher gibt es keine allzu lange Nachbesprechung und er reicht mir nach gut 1 Stunde und 45 Minuten Prüfungsflug die Hand mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch.“

Das ist dann der Zeitpunkt, wo ich das Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht bekomme. Wir gehen noch zusammen auf den Turm und ich bezahle meine Landegebühren. Der Prüfer verabschiedet sich, wünscht mir für meine Fliegerkarriere alles Gute und wird den Bericht jetzt nach Düsseldorf geben. Von der Bezirksregierung erhalte ich dann demnächst meine Lizenz per Post.

Jetzt erst einmal eine Rauchen, Fluglehrer anrufen und es realisieren: Ich bin Pilot.
Ich unterhalte mich noch ein wenig mit dem Startleiter und verabschiede mich.
Im Funk bekomme ich noch eine Gratulation eines Gyrocopters (Tragschraubers), der Platzrunden fliegt.
Den Flug zurück nach Essen-Mülheim genieße ich in vollen Zügen. Die Luft ist sehr ruhig, der Abend dämmert und ich bin Pilot.

Nach ca. 18 Minuten erreiche ich Essen/Mülheim und gehe direkt in den langen Endanflug. Sanfte Landung, ausrollen und Glückwünsche von Vereinskameraden in Empfang nehmen.

Ein langer Tag endet, als ich dann glücklich, aber sehr geschafft gegen 21:45 Uhr zu Hause bin.

Mein Dank für diese Ausbildung gebührt meinem Fluglehrer, der mich in all der Zeit strukturiert dahin gebracht hat, wo ich jetzt stehe; das ich u. a. die Fähigkeit erlangt habe, ein Flugzeug - auch in kritischen Situationen - zu führen und stets heil auf den Boden zu kommen. Auch wenn wir in mancher Stunde kleinere Meinungsverschiedenheiten hatten (ich denke an stressige Situationen… kein Wunder, wenn der Flugschüler nicht das macht, was der Fluglehrer sagt), habe ich viel von ihm gelernt und anhand seiner fliegerischen Erfahrung einiges mitgenommen.

Auch danke ich meine Familie für die Unterstützung in dieser doch längeren Zeit und für die Geduld, die aufgebracht wurde, wenn ich entweder das Auto blockiert habe und 2-3 Tage in der Woche im Club war oder für Zeiten der intensiven Lernvorbereitungen, in denen ich nie richtig ansprechbar war.

Danke an meine Vereinskameraden und diejenigen, mit denen ich in den Hochzeiten der Prüfungen Funk und Theorie durchgestanden habe. Diese Zeit möchte ich nicht missen!

Die Blockzeit betrug insegsamt heute: 4 Std. und 30 Minuten und die reine Flugzeiten insg. 3 Std. und 34 Minuten.

   
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